New York – Jon Stewart versuchte ihn mit „Ben & Jerry´s Karamel Sutra“ zu ködern. "Good Morning Amerika"-Gastgeber George Stephanopoulos bot ihm „Cinnamon Toast Crunch“ an. Aber vielleicht wären Pommes Frites die bessere Strategie gewesen, damit Robert Pattinson einige pikante persönliche Details über seine Trennung von Co-Star Kristen Stewart ausspuckt.
"(Die) Medienlandschaft ist eine abscheuliche Sache“, beklagte Pattinson am Mittwochnachmittag, während er sich, zwischen Zügen aus seiner elektronischen Zigarette, Pommes Frites in den Mund stopfte. „Du kannst nicht gewinnen. Das Ärgerliche ist, dass du sie nicht angreifen kannst, du kannst dich nicht verteidigen. Das Beste, das du eventuell tun könntest ist, einen Paparazzi zu schlagen und ihnen damit ihren großen Zahltag zu bescheren.“
Der 26-jährige Schauspieler war in dieser Woche einem öffentlichen Spießrutenlauf ausgesetzt, das normalerweise der Promotion seines am Freitag erscheinenden neuen Films „Cosmopolis“ dienen sollte. Die Werbetour, die auch eine Premiere in New York und andere Termine beinhaltete, schien aber ebenso sehr dazu zu dienen, seine emotionale Belastbarkeit unter Beweis zu stellen, als Folge des Goldrausches der Boulevardpresse, der explodierte, nachdem Bilder von Stewart in kompromittierender Lage mit dem 41-jährigen Rupert Sanders auftauchten, der in "Snow White and the Huntsman" Regie führte.
Für die moralische Unterstützung saß „Cosmopolis“-Regisseur David Cronenberg neben Pattinson im „Mandarin Oriental“ Hotel am Columbus Circle. Der kanadische Filmemacher, dessen anspruchsvollen Arthouse-Filme so gut wie nie diese breite Aufmerksamkeit erreichen, war als eine Art Puffer dabei, schien aber auch insgeheim ziemlich amüsiert über den ganzen Medienzirkus. Der Manager des Schauspielers wollte nicht zulassen, dass Pattinson allein in einem Interview mit der „The Times“ sitzt und hatte sogar nahegelegt, dass Journalisten ihn nicht nach seinem persönlichen Leben oder „Twilight“ fragen dürften.
Aber „Twilight“ ist natürlich der Grund dafür, dass Pattinson wohl weltweit der bekannteste Jung-Schauspieler seiner Generation ist. In der Film-Franchise, die auf Stephenie Meyers Bestsellern für junge Erwachsene basiert, spielt er einen grüblerischen Vampir, der sich in ein menschliches Mädchen (Stewart) verliebt. Die Filmreihe hat, hochgerechnet seit dem Start im Jahre 2008, weltweit über 2,5 Milliarden Dollar eingespielt und wird im November mit dem 5. Teil „Breaking Dawn – Part 2“ abschließen. Pattinsons Off-Screen-Beziehung mit Stewart hat die Popularität der Vampirfilme noch mehr geschürt.
Als die Stewart-Sanders-Affäre es im Juli auf das Cover der „US Weekly“ schaffte, schien es zunächst, als gäbe es wenig Aufwärtspotential für Pattinson. Doch Stewarts öffentliche Entschuldigung rief nicht nur Mitgefühl für den Betrogenen hervor, sondern auch eine Welle neuen Interesses für „Cosmopolis“, der bei seiner Premiere auf dem Filmfestival in Cannes im Mai gemischte Reaktionen des Publikums geerntet hat.
Das könnte Pattinson helfen, während er den Aufbau einer Post-„Twilight“-Karriere anstrebt. Während seine beiden „Twilight“-Filmpartner, Stewart und Taylor Lautner, im Mittelpunkt (großer) Studio-Filme standen, blieb Pattinson meistens in der Independent-Welt. Sein größter Nicht-„Twilight“-Film bislang war „Water for Elephants“ aus dem letzen Jahr, eine bescheiden budgetierte Perioden-Romanze mit Reese Witherspoon, die weltweit respektable 117 Mio. US-Dollar einbrachte. Pattinsons weniger kommerzielle Projekte erlitten jedoch an den Kinokassen Schiffbruch – „Remember Me“, das Drama um den 11.September brachte 2010 in den USA nur 8 Mio. US-Dollar ein und das Drama, das im 19. Jahrhundert spielt, „Bel Ami“, floppte im Juni, indem es nie in mehr als 15 Kinos lief.
Für das Protokoll – Kinokasse für Pattinson: ein Artikel um den 17. August hat berichtete, dass der Film „Remember Me“ des Schauspielers Robert Pattinson 2010 8 Mio. Dollar in den USA eingespielt hat. Der Film nahm an seinem Eröffnungswochenende 8 Mio. Dollar ein genommen und verdiente letztendlich in den USA 19 Mio. Dollar.
In "Cosmopolis" spielt Pattinson einen jungen Milliardär am Rande des finanziellen Ruins, der sich im Verlaufe eines Tages selbst demontiert, und er erwarb damit einige der besten Kritiken seiner Karriere für seine Darstellung des abgeklärten Computer-Kids.
Cronenberg, der "Cosmopolis" von Don DeLillos Buch gleichen Namens adaptierte, sagte, dass er fühlte, dass Pattinson der Richtige sei, vor allem wegen seines gut aussehenden Gesichts, das in beinahe jedem einzelnen Bild des Films erscheint. Bevor er ihn besetzte, schaute sich der Regisseur jeden Film an, in dem der gebürtige Londoner mitgespielt hat, und schaute eine Reihe von Interviews mit Pattinson auf YouTube, um einen besseren Eindruck von seiner Persönlichkeit zu bekommen.
„Die Stärke der „Twilight“-Filme liegt nicht in der Schauspielerei,“ räumte Cronenberg ein. „Es ist aber nicht klar, dass „Twilight“ zu drehen Präsenz und Professionalität erfordert. Hältst du es für eine Oscar-verdächtige Darstellung oder Alec Giunness (gemäß)? Das ist eine ganz andere Sache. Aber man wirft jemanden in ein aufreibendes Set wie dieses – eine normale Person wäre innerhalb einer Stunde tot.“
Pattinson fand Gefallen daran sich zu verteidigen und warf ein: „Bei diesem Film („Cosmopolis“) sagen die Leute dauernd „Wird das der Film sein, in dem er beweisen kann, dass er schauspielern kann?“ Das ist so wie: Was denkst du, habe ich (bisher) gemacht?““
„Ganz nebenbei,“ fügte Cronenberg hinzu, „ist er ein britischer Kerl, der einen amerikanischen Akzent nachmacht. Die Leute realisieren nicht, dass es eine Menge sehr guter Schauspieler gibt, die keine Akzente machen können, und sie zollen Rob dafür keine Anerkennung.“
„Oh, gebt mir einfach alles!“, sagte Pattinson lachend und zog an seiner Zigarette, die mit jedem Zug elektronisch rot aufglimmte.
Dennoch ist klar, dass Pattinson manchmal seine schauspielerischen Fähigkeiten hinterfragt. Vor Produktionsbeginn von "Cosmopolis", sagte er, war er hinsichtlich seiner Fähigkeit die Rolle zu bewältigen so unsicher, dass er "zitternd, absolut entsetzt" während der ersten Probeaufnahmen saß.
Die (flatternden) Nerven sind etwas überraschend, wenn man bedenkt, dass Pattinsons Rolle in "Cosmopolis" nicht so weit von seinem eigenen Leben entfernt zu sein scheint. Wie sein Charakter in dem Film – der über Stunden in einer Limousine isoliert bleibt, als er langsam durch Manhattan fährt, um einen Haarschnitt zu bekommen – sagte Pattinson, dass er seit dem Erscheinen von "Twilight" "vier Jahre hatte, in denen (ich) Schritt für Schritt in immer kleinere Kartons gesteckt wurde und du hast das Verlangen auszubrechen.“ Er gehört auch zu den 1% – laut Forbes verdiente er 12,5 Mio. US-Dollar mit den letzten beiden "Twilight"-Filmen – eine Zahl, die, wie er sagt, "absolut nicht der Wahrheit entspricht.“
"Eigenartigerweise ging ich neulich in diese Bar und dort waren ein paar Leute, die gegen diese 1%-Sache protestierten,“ erinnerte er sich. "Manchmal fahre ich diese Art von Truck, der wie eine Schrottkarre aussieht, weil ich mit dem Surfen begonnen habe – es ist ein 2001er Silverado, den ich bei Craiglist (A.d.R. Craigslist ist ein zentrales Online-Netzwerk mit Anzeigenseiten für alle möglichen Bedürfnisse) für ungefähr 2.000 US-Dollar oder so kaufte. Ich versteckte mich also hinten im Truck, als ich den Protest sah und dachte "ich will da nicht mit rein gezogen werden."
Die Demonstranten erkannten ihn und einen Freund nicht, sagte Pattinson. "Als die Demonstranten uns sahen meinten sie `wir schreien dich nicht einmal an. Du fährst dieses Stück Schei... Du gehörst nicht zu den 1%.`“
Pattinson beharrt drauf, nicht gut mit seinen Finanzen umgehen zu können: "Das einzige, was ich gut mit Geld kann, ist es zum Fenster hinauszuwerfen. Ich begreife noch nicht einmal [wofür ich es ausgebe]. Ich habe exakt den gleichen Lebensstil wie mit 15."
„Schau dir die Art an, wie er sich kleidet," mischte sich Cronenberg ein, in Anspielung auf Pattinsons legeres, fast schon gerade-erst-aus-dem-Bett-gekommenen-Verbindungsstudent (-Outfit) von einem Polo-Shirt, Jeans und verkehrt herum (aufgesetzter) Kappe.
Der Schauspieler sagte, dass er einen Druck verspürt "unerträglich konservativ" zu erscheinen, weil er spürt, dass jede seiner Bewegungen auf dem Prüfstand steht.
Er sagt, dass es ihm gefallen würde, wenn stattdessen Banker von Paparazzi und TMZ gejagt werden würden, weiß aber, dass das unrealistisch ist."Die Boulevardpresse macht wirklich schreckliche Dinge mit der Welt. Sie macht die Menschen dumm," sagte er, die Wangen errötend. "Die Leute sagen, dass es [bei der Boulevardpresse] um Realitätsflucht geht und die Menschen sich von dem Elend der Welt distanzieren müssen. So wie, 'Nein, die Menschen sind faul, und sie wollen es nicht einmal versuchen.' ... Jedes Mal, wenn ich mir eine derartige Zeitschrift angeschaut habe, habe ich es bereut. Ich ziehe da absolut keinen Nutzen draus. Und das tut auch kein anderer.“
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Das original Interview könnt auf der Webseite der LA Times nachlesen!