Pattinson gesteht, wenn es das Independent-Drama „Little Ashes“ nicht gegeben hätte, in welchem er den surrealistischen Künstler Salvador Dali spielt, hätten wir ihn möglicherweise an die Musik verloren. „Alle mein Freunde haben Musik gemacht und hatten gerade begonnen Verträge zu bekommen“, erinnert er sich. "Wir haben alle zusammen in der gleichen kleinen Gruppe von Leuten gespielt. Also war ich gerade dabei (auch) damit anzufangen, als aus heiterem Himmel „Little Ashes“ kam. Zuerst dachte ich, dass es nur 2 Monate Urlaub in Spanien werden würden, aber am Ende wurde es wirklich, wirklich hart. Es war der erste Job, für den ich wirklich recherchiert habe und ich begann gerade erst damit irgendwie Befriedigung beim schauspielern zu finden."
Und danach? „Nun, dann bekam ich „Twilight,“ grinst er. „Ich beendete „Little Ashes“ und ging nach LA, weil ich wirklich, wirklich Geld brauchte. Ich hatte diesen hohen Steuerbescheid und war völlig abgebrannt. Aber es hat mir eine andere Perspektive gegeben. Ich sprach anders mit den Leuten bei Vorsprechen, während ich vorher einfach nur hinging, ‚Yeah, ich weiß nicht wirklich was ich tue’, und es hat mich auch nicht wirklich gekümmert."
Pattinson schaut auf diese Tage eher mit Belustigung, als mit Verlegenheit zurück. „Ich habe das wirklich alles genossen,“ sagt er. "Wenn du am Anfang stehst, weißt du nicht wirklich wie man…“ Er macht eine Kehrtwendung, dreht ein Negativ in ein Positiv. „Ich meine, du musst (erst) lernen, wie man die Dinge angeht. Jeden Job, den ich gemacht habe, speziell vor „Twilight“, lies ich einfach so laufen – und hatte keine Ahnung, in welche Richtung ich gehen sollte. Ich wollte einfach nur sehen, wo es lang ging. Ich wusste nicht, was ich da überhaupt machte.
Er hat keine Ausbildung zum Schauspieler, wie hat er es also gelernt? War es eine Frage dem Regisseur zu zuhören? Er lächelt. „Ich habe gerade erst angefangen zu akzeptieren, zu tun was mir die Regisseure sagen. Ich dachte immer, wenn ich, sagen wir, eine emotionale Szene zu machen hatte, aufgrund von allem, was ich über Schauspieler gelesen hatte, als ich jünger war, dass ich es in echt machen muss. Also puschte ich mich drei Tage vorweg selbst hoch. Etwa so, wie ich diesen Wikingerfilm gemacht habe (im britischen Kino als „Schwert von Xanten“ veröffentlicht, das ist "Die Nibelungen" eine deutsche Produkution mit Benno Fürmann) als ich 17 war und da dieses ganze Kampfzeug war. Ich musste diesen Typ, der meinen Bruder getötet hatte, töten,“ lacht er. „Ich saß den ganzen Tag schon kurz vor dem Durchdrehen da. Dann kam es tatsächlich zu dem Punkt, an dem ich das Schwert in der Hand hatte, um es blitzschnell herauszuziehen und den Typ zu töten. Und der Regisseur kam zu mir rüber und sagte ‚Hör mal, du kannst das so nicht tun. Du hast „The Red Mist“. (Ein Zustand, der durch extremen Stess oder unkontrollierte Wut, in den man sich selbst hineinsteigert, verursacht wird) Und ich dachte: 'WAAAS?'“
„Das ist witzig,“ grübelt er. „Du verstehst es nicht, wenn du gerade erst damit (Schauspielen) anfängst, wie man gewisse Dinge erreicht. Weil du es nicht vortäuschen möchtest. Aber später findest du heraus, dass die besten Leute es die meiste Zeit vortäuschen. Und genau dann machen sie ihre beste Arbeit."
Der Rest nach „Twilight“ ist Geschichte. Und sogar das, sagt er, war eine Art von Zufall: Als er den Part landete, hatte er echt keine Ahnung wie Lebens verändernd es sein würde. „Niemand glaubt mir das. Man konnte die Bücher in England nicht kaufen. Und ich kannte nur eine Person, die die Bücher gelesen hatte, und das war die Tochter von einer Freundin meiner Mutter, die in New York lebte. Es schien einfach etwas aus der Kategorie „Für junge Erwachsene“ (A.d.R. ab ca. 15 Jahre) zu sein. Ich hatte keine Ahnung wovon es handelte. Also ging ich rüber (in die USA) und wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Aber ich hatte „Into the Wild“ gesehen und dachte, dass Kristen (Stewart) wirklich gut darin war. Sie sagten, ‚Oh, das ist das Mädchen, das die Bella spielt.' Und ich dachte, ‚Shit, sie ist tatsächlich gut.' Also machte ich mit ihr eine Lesung und sie war wirklich beeindruckend.“
„Ich wusste nicht wirklich, wie ich es spielen sollte,“ fährt er fort, „weil ich dachte, es wäre so eine Art Teenie-Ding – welches es letztendlich (auch) war – aber ich dachte zu dieser Zeit, mit Catherine Hardwicke und Kristen, dass es ein Independent-Film werden würde. Es schien ziemlich interessant; ein Teenie-Vampir-Film, der so wie „Thirteen“(Hardwickes Debutfilm) werden würde, und wirklich ernsthaft. Ich hatte keine Ahnung, dass es dieses Riesending werden würde, das du auf Hüten bei Burger King bekommen kannst."
Empire hakt nach, ob das wirklich der Fall ist? „Ja,“ grinst er. „Ich glaube, du kannst sogar einen Edward-Burger bekommen! Aber es macht nicht wirklich einen großen Unterschied. Jeder denkt immerzu, ‚Oh, nun ja, du kannst jetzt alles tun, was du willst,’ aber da draußen gibt es nichts. Da ist kaum was. Du musst dich eben in die Rolle einfügen. Ich meine, es ist ja nicht so, als würde ich die Queen spielen."
"Nach der „Twilight Saga: Breaking Dawn Part 1 und 2“, sagt Pattinson, wird es definitiv keinen Edward Cullen mehr geben." Sein nächster Film, der sinnliche Epochenfilm „Bel Ami“ wurde kürzlich abgedreht, und danach fängt er an, an Cronenbergs neuem Thriller „Cosmopolis“ zu arbeiten. Man könnte meinen, er wäre deswegen vielleicht blasiert, aber nein. „Ich bin einfach erstaunt, dass ich gecastet wurde,“ wundert er sich. „Ich habe davor das Drehbuch gelesen und dachte, ‚Wow, das ist irrsinnig. Jedoch irrsinnig und kompliziert...schwierig.’ Und dann, völlig aus dem Nichts, sagte meine Agentin, ‚Möchtest du das machen?’“
Ist dies dann so, wie wenn ein Traum wahr wird? „Ich dachte niemals daran mit Cronenberg zu arbeiten,“ überlegt er, „aber ich habe immer seine Filme geliebt. Es war mir einfach nie in den Sinn gekommen, dass es da eine Chance gäbe. Weißt du, es sind so wenige Autorenfilmer übrig. Die einzige Sache, die mich beim Arbeiten in Filmen ankotzt ist, dass wenn man ein Projekt anfängt und dann, zwei Tage bevor man loslegt, gibt es ein gewaltiges Umschreiben, um einen R-rated-Film (FSK 16) in etwas zu verwandeln, das PG-13 (FSK 12) ist, und dann ist es eine völlig andere Geschichte. Sobald diese Grenze überschritten ist, weiß du, machst du nicht länger einen Film, du machst einen….einen….Kühlschrankmagneten. Es ist nichts.“
„Aber bei Leuten wie Cronenberg weiß du, dass es am Ende ein Film sein wird, und er wird solide und unabhängig sein und er wurde aus keinem anderen Grund gemacht, als einfach nur ein Film zu sein. Und wie lächerlich es auch immer ist, dies ist so schwer zu finden. Es gibt nur wenige solcher Leute. So wie Jaques Audiard, der „A Prophet“ gemacht hat. Er hat niemals einen Film gemacht, der nicht vollständig sein eigener ist."
Diese kundige, intelligente und scharfsinnige Seite von Robert Pattinson mag für jene, die einen Hohlkopf oder ein Model erwarten, vielleicht überraschend kommen. Also bringt Empire ihn ein bisschen in Verlegenheit und fragt, was er zu Leuten sagen würde, die ein Vorwissen über ihn von „Twilight“ haben und wissen möchten, warum sie in „Water for Elephants“ gehen sollten.
„Ich weiß nicht,“ sagt er, plötzlich ein bisschen schüchterner. „Hoffentlich werden sie denken, dass es ein guter Film ist. Ich weiß nicht, was das über mich aussagt… Aber ich habe so ein Gefühl, dass ihn eine Menge Leute mögen werden. Ich glaube nicht, dass viele Filme wie dieser rauskommen und als ich am Film gearbeitet habe, hat es sich nicht wie irgendetwas anderes angefühlt, das (ich vorher) gemacht habe. Also hoffentlich wird er... wird er etwas in den Leuten befriedigen“
Und es ist besser als eine Rapper-Karriere zu haben, was - wie Empire glaubt - beinahe passiert wäre.....
Er nickt. „Es ist definitiv besser als das.
Wasser für die Elefanten kommt am 5. May ins Kino und wird in der nächsten Ausgabe besprochen.
****Die original Scans könnt ihr
euch hier anschauen!